• 18.05.2026

    Tour de Feminin in Konkurrenz zur Bundesliga?

    „Es ist in jedem Fall ein Spagat", erklärt Steffen Blochwitz vom LKT-Team. Als junges und damit auch vergleichsweise kleines Team freue man sich über jede Einladung zu international stark besetzten Rundfahrten. „Lehnt man eine Einladung einmal ab, ist man schnell dauerhaft außen vor."

    Für ihn steht die sportliche Entwicklung der Fahrerinnen im Mittelpunkt:
    „Ich möchte meine Fahrerinnen schnellstmöglich und bestmöglich entwickeln. Da ist das Paket Tour de Feminin gegenüber dem Paket Bundesliga einfach gehaltvoller."

    Ein Vergleich der beiden Rennformate zeigt die Unterschiede deutlich. Zwar ähneln sich die Wettbewerbe mit jeweils einem Zeitfahren und drei Straßenrennen, doch die Rundfahrt überzeugt mit rund 350 Wettkampfkilometern, etwa 5100 Höhenmetern sowie einem internationalen Starterinnenfeld von 166 Athletinnen.

    Gleichzeitig sei dem Team die Verantwortung gegenüber der wichtigsten deutschen Rennserie bewusst:
    „Natürlich wissen wir um die Bedeutung der Bundesliga. Aber der Druck, die Mädels rechtzeitig in Form für die Jahreshöhepunkte – Deutsche Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften – zu bringen, ist enorm." Dieser Druck komme ausdrücklich auch von Seiten German Cycling. Eine optimale Wettkampfplanung bleibe daher für alle Beteiligten ein Balanceakt.

    Mit dem sportlichen Auftritt seines Teams bei der Tour de Feminin zeigte sich Blochwitz sehr zufrieden:
    „Vor allem mit der Einstellung der Mädels bei der Tour de Feminin bin ich sehr glücklich. Es gab keinen leichten Kilometer – gefühlt wurde das gesamte Rennen im Unterlenker gefahren."

    Besonders hervor hob er Caoilinn Littbarski-Gray, die auf jeder Etappe im Spitzenfeld mithalten konnte und bei ihrer ersten Elite-Rundfahrt einen starken 39. Gesamtrang erreichte.

    Auch Clara Jäger überzeugte mit ausgeprägtem Renninstinkt: Immer wieder fand sie sich in Spitzengruppen wieder – teilweise sogar über ihrem aktuellen Leistungsniveau, „aber erst einmal ist sie drin", so Blochwitz.
    Jäger spielte zudem eine entscheidende Rolle bei der Qualifikation von Olivia Schoppe für die Studenten-Weltmeisterschaften in China, die terminlich mit der Deutschen Meisterschaft kollidieren. Nach einem internen sportlichen Deal musste mindestens ein Wertungspunkt auf der ersten Etappe her – unabhängig davon, wer ihn holte. Clara sicherte schließlich den entscheidenden Punkt und kann sich einer Postkarte von Oli aus China gewiss sein.

    Ebenfalls positiv entwickelten sich Olivia Schoppe, Seàna Littbarski-Gray, Lena Reißner und Pia Grünewald, die ihre aktuellen Leistungsbereiche weiter nach oben verschieben konnten.
    Blochwitz' Fazit: „Für alle gibt es ein grünes Häkchen – und für mich die Bestätigung, dass die Entscheidung für die Tour de Feminin richtig war."

    Parallel dazu sind auch die ersten vier Rennen der Bundesliga absolviert. Für das LKT-Team starteten Leni Bauer, Laura Nollau, Jette Jäger, Mira Winkelhag und Jette Simon. Als Sportliche Leitung unterstützten Stephanie Gaumnitz und Olaf Janson. Zusätzlich betreute das Team noch die weibliche U19-Auswahl aus Brandenburg – eine große logistische Herausforderung für den kleinen Staff.

    Das sportliche Ziel war von Beginn an klar definiert: die U23-Gesamtwertung. Viele Fahrerinnen befanden sich zeitgleich bei der Rundfahrt in Tschechien, sodass sich die Mannschaft auf Nachwuchsfahrerinnen konzentrierte.

    Die Leistungen schwankten zwar zwischen starken und schwierigeren Tagen, dennoch befindet sich das Team weiterhin in aussichtsreicher Position. Nach einem starken Zeitfahren übernahm Leni Bauer zwischenzeitlich das Nachwuchstrikot, musste es jedoch einen Tag später wieder abgeben.

    Aktuell liegt das Team mit Platz 2 (Bauer), Platz 3 (Nollau) und Platz 6 (Simon) weiterhin in Schlagdistanz – mit dem klaren Ziel, das Trikot zurückzuerobern.

    Die Bundesliga selbst wurde bislang vom Rembe-rad-net women Team geprägt und dominiert, das mit großem Kader und Unterstützung von German Cycling antrat.

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